Cargo-Kult und seine Gefährlichkeit, machst auch du unwissentlich mit?

Cargo-Kult und seine Gefährlichkeit, machst auch du unwissentlich mit?

Kommt dir das folgende Szenario genauso bekannt vor wie uns? Anstatt sich in Ruhe hinzusetzen, um einfach mal nachzudenken, verlieren wir uns in Diskussionen, die höchstens an der Oberfläche kratzen und übernehmen Ansätze, die wir in ihrem Kern nicht verstanden haben. Dahinter versteckt sich der sogenannte Cargo-Kult. Dieser offenbart sich überall – ob in unserer reflexartigen Empörung über die Tagespolitik oder unserer Selbstgefälligkeit, wenn wir uns wieder einmal für eine „gute Sache“ eingesetzt haben, ohne eine wirkliche Veränderung zu bewirken. Wir erklären, was der Cargo-Kult ist, warum wir ihm alle regelmäßig verfallen und wie wir gemeinsam, etwas schaffen können, das Wert hat.

Die Simulation von echtem Wandel oder: Was ist ein Cargo-Kult?

Wir alle kennen sie, die berühmt-berüchtigten Kickoffs, Brainstormings und Strategiesitzungen. Dabei geht es mal darum, in den sozialen Medien genauso erfolgreich zu sein wie die Konkurrenz („Müssen wir jetzt auch auf TikTok posten?“) und ein anderes Mal darum, in Google-Ads-Kampagnen zu investieren. Doch was von diesen Überlegungen sind Pseudo-Projekte und blinder Aktionismus und welche Maßnahmen simulieren nicht nur Wandel, sondern stoßen ihn tatsächlich an?

„Etwas Zentrales wurde nicht verstanden“

Cargo-Kulte entstehen, wenn man beobachtete Rahmenbedingungen richtig steckt, aber das wesentlich Erhoffte nicht geschieht, weil etwas Zentrales nicht verstanden wurde. Ja, die Konkurrenz erstellt vielleicht jeden Tag großartige Social-Media-Posts und TikTok-Videos, aber das bedeutet nicht, dass das Posten auf Social Media die Lösung schlechthin ist und deshalb jetzt jeder Videos produzieren sollte. Verhaltensweisen zu imitieren, ohne zu verstehen, warum beispielsweise die Konkurrenz tatsächlich so erfolgreich ist – in der Hoffnung, die gleichen Ergebnisse zu erzielen – funktioniert nicht. Das Beispiel zeigt: Digitalisierung ist kein Ziel, sondern ein Werkzeug, das gekonnt eingesetzt werden kann.

„Damit wir nicht arbeiten müssen“

Klassische Management-Cargo-Kulte, denen wir in unserer Branche gerne folgen, gibt es wie Sand am Meer. Diese sind nicht rein negativ zu bewerten, schließlich steckt in ihnen eine große Hoffnung; die Hoffnung auf Wirksamkeit, obwohl die dafür notwendigen Maßnahmen nicht konsequent umgesetzt wurden. Unter die gleiche Kategorie fällt eine Art, die man gewagt „Business-Pornografie“ nennen könnte. Sie zeigt sich in Form von Artikeln oder Ratgebern, die Titel tragen wie „10 Dinge, die du tun musst, um erfolgreich zu sein“. Man könnte fast sagen, dass wir Menschen Cargo-Kulte schaffen und Pseudo-Projekte durchführen, damit wir nicht arbeiten müssen – zumindest nicht so, dass eine echte Veränderung stattfindet.

Besonders wenn es um Cargo-Kulte geht, können wir uns alle an die eigene Nase fassen. Nobody’s perfect, wie man so schön sagt. Doch weil ausnahmslos alle Menschen – ja, auch du und ich – dem Cargo-Kult zum Opfer fallen, lohnt es sich erst recht nicht, mit dem Finger auf andere zu zeigen. Drehen wir den Spieß also einfach um und nutzen wir das Erkennen von Cargo-Kulten in unserem Alltags- und Berufsleben, um uns Denkanstöße zu holen.

Doch woher kommt eigentlich der Begriff des Cargo-Kults? Ein Blick in die Vergangenheit gibt Aufschluss!

Die Logik von Ursache und Wirkung verkennen: Der historische Ursprung des Cargo-Kults

Weitgereiste Lebensmittel gibt es auch heute noch. Fisch, Mangos und Spargel werden per Flugzeug angeliefert, damit wir sie in unserem Lieblings-Supermarkt um die Ecke finden können. Im Zweiten Weltkrieg setzte auch das amerikanische Militär Frachtflugzeuge ein, und zwar auf Melanesien. Für die sichere Landung dieser Flugzeuge hatte das US-Militär auf den kleinen Inseln im Pazifik Landebahnen und Türme gebaut, um dort Materialien und Lebensmittel zwischenzulagern. Um sich die Inselbewohner nicht zu Feinden zu machen, überlies das Militär ihnen Lebensmittel und andere Waren als Geschenke.

„Cargo-Kulte spielen in unserer heutigen Arbeitswelt eine prägende Rolle“

Die Eingeborenen standen staunend neben den Start- und Landebahnen, hielten die ankommenden Flugzeuge für etwas Göttliches und sagten sich, dass die Amerikaner sehr mächtige Ahnen haben müssen – schließlich konnten sie durch ihre Vorbereitungen Flugzeuge mit Waren anlocken. Nach Abzug des US-Militärs nahmen die Bewohner Melanesiens die Dinge selbst in die Hand. In religiös einwandfreier Logik bauten sie daher nach Abzug des Militärs ebenfalls Landebahnen und Türme und beteten von dort aus zu ihren Ahnen – diese sollten Flugzeuge mit Nachschub schicken.

Was ist problematisch am Cargo-Kult?

Manche Menschen müssen vielleicht über diese Geschichte schmunzeln, doch Vorsicht: Es gibt viele Anzeichen dafür, dass sogenannte Cargo-Kulte in unserem Alltag und in unserer heutigen Arbeitswelt eine prägende Rolle spielen. Der Kern des Cargo-Kults besteht laut Gunter Dueck, der sich eingehend mit Cargo-Kulten beschäftigt hat, darin, die Logik von Ursache und Wirkung zu verkennen – und sie durch Rituale zu ersetzen, die den vermeintlichen Ursachen entgegenwirken sollen. So wie die Inselbewohner die Handlungen des US-Militärs imitierten, springen auch wir gerne auf vermeintlich erfolgreiche Züge auf – und das ohne selbst über die Logik von Ursache und Wirkung zu reflektieren. Das Fatale? Ein Cargo-Kult fühlt sich für uns sinnvoll an und ist deshalb nur schwer zu erkennen.

Beispiele aus der Praxis: Der Cargo-Kult wie er leibt und lebt

In der Wissenschaft findet man Cargo-Kultisches leider viel zu häufig, wie Richard Feynmann feststellte, der den Begriff geprägt hat. Überspitzt ausgedrückt, kann der Cargo-Kult zum Beispiel dann zum Vorschein kommen, wenn Studien ohne großen wissenschaftlichen Anspruch erstellt werden, nur um einen akademischen Titel zu ergattern. Doch auch in der Politik zeigt er sich oft. Selbst in unseren Wohnzimmern, beim Schauen von Polit-Talkshows von „Anne Will“ bis „Hart aber fair“, hört man reflexhaftes Empören. Keine Frage, es kann Spaß machen, sich aufzuregen. Und Empörung ist wichtig, wie uns schon der ehemalige französische Widerstandskämpfer und UN-Diplomat Stéphane Hessel in seiner Streitschrift beigebracht hat. Aber sich zu entrüsten, nur um sich vor dem Fernseher bei einem Glas Rotwein aufzuregen, ist müßig. Wir müssen nachdenken und so aus echter Empörung Handlungen ableiten.

„Wir sind mit Bulimielernen zufrieden“

Apropos denken, wann hast du dir das letzte Mal richtig Zeit fürs Nachdenken genommen? Auch in der Bildung kann man einen großen Cargo-Kulte entdecken – mit ernsten Folgen. Denn wenn es nur um den schnellen Abschluss geht und nicht um das echte Interesse, etwas zu verstehen, dann hat der Cargo-Kult wieder zugeschlagen. So begnügen sich viele vor einer anstehenden Prüfung oder einer wichtigen Präsentation in der Firma mit Bulimielernen, dem kurzfristigen Pauken oder dem Auswendiglernen von Wissen. Um ganz ehrlich zu sein: Auch wir haben schon öfter Fakten ins Kurzzeitgedächtnis eingebläut, um sie schon bald darauf wieder zu vergessen. Doch wenn wir tatsächlich etwas langfristig im Kopf behalten und ein tiefes Verständnis für ein Thema entwickeln möchten, kommen wir um eines nicht herum: uns Zeit zu nehmen, um etwas gründlich zu verstehen und auch dafür, das Gelernte zu wiederholen und mit anderen zu teilen.

Gerade letzteres, Wissen zu teilen und mit- und voneinander zu lernen, versuchen wir mit CoachMeNetto umzusetzen. Hierfür brauchen wir dich. Wenn du wie wir bereit bist, die Cargo-Kulte, denen wir selbst erliegen, mal mit Humor, mal mit Biss zu betrachten, dann werde Teil unseres Thinktanks. Noch nie war es wichtiger, Know-how zu bündeln und sich auf die Suche nach innovativen Lösungen zu machen. Nicht zuletzt, wenn es um die Zukunft der Honorarberatung geht.

Was passiert, wenn die Honorarberatung auf Cargo-Kulte trifft 

Wie die Inselbewohner, die sich das Militär zum Vorbild genommen haben, wollen auch einige Berater in die Schuhe erfolgreicher Honorarberaterinnen und -berater schlüpfen, indem sie nun ebenfalls provisionsfreie Lösungen anbieten und sich kurzerhand Honorarvermittler nennen. Der Ansatz der Honorarberatung wird dabei von manchen nur als Instrument genutzt, um leichter Kundinnen und Kunden zu gewinnen und die eigene Vergütung zu erhöhen. Bei einer schnell und oberflächlich implementierten Honorarvermittlung ist der erhoffte Erfolg nur von kurzer Zeit. Das eigene Geschäftsmodell zu verändern erfordert eine umfassende Transformation. Wer dem Cargo-Kult entkommen und die Prozesse und Standards der Honorarberatung von Grund auf verstehen und anwenden möchte, braucht Zeit. Unterstützung kann CoachMeNetto bieten – die digitale Maklerschmiede, die durch eine einfache und kostenlose Anmeldung eine Plattform bietet, auf der sich Experten miteinander verbinden, um voneinander zu lernen und Kompetenzen zu bündeln. Die Herausforderungen von morgen brauchen einfach eine gewisse Tiefe, um bewältigt werden zu können.

Bin ich selbst Teil eines Cargo-Kults? Schluss mit der Oberflächlichkeit

Die Liste, wo sich Cargo-Kulte in unserem Alltag und in unserer Arbeitskultur verstecken, ließe sich beliebig fortsetzen. Denn Cargo-Kulte zeigen sich in diversen Formen idealistischer Ideen und so begegnen wir kurz oder lang mindestens einem, vermutlich aber gleich mehreren. Das ist per se auch nichts Schlimmes, denn jede noch so kleine Maßnahme, jeder Baustein auf dem Weg zu einer möglichst idealen Zukunftsvision ist hilfreich und wichtig. Insofern kann auch diese Kolumne nur eine Anregung sein, mit der Idealvorstellung im Kopf, dass wir mit all unseren Handlungen und Maßnahmen tatsächlich eine positive Veränderung ins Rollen bringen.

Fragen wir uns also immer und immer wieder ernsthaft (und damit auch schmerzhaft selbstkritisch): Mache ich etwas nur, um mich gut zu fühlen oder mündet meine Handlung tatsächlich in einer notwendigen Konsequenz? Falls du genau wie wir mit CoachMeNetto Lust hast, kritisch nachzudenken und einen positiven Wandel anzustoßen, schau dir mal die folgenden vier Ideen an. Weniger Worthülsen und mehr Wert, das ist das Ziel dieser Ideen. Dieses Ziel haben wir uns übrigens auch selbst auf die Fahne geschrieben. Mit jedem Tag versuchen wir, es Stück für Stück mehr zu verwirklichen. Die Redewendung „Der Weg ist das Ziel“ motiviert uns dabei unheimlich. Dich vielleicht auch?

4 Ideen für einen Wandel, der es in sich hat

  1. Sei Teil einer agilen Organisationskultur. Eine wirklich agile Organisation nimmt eine Denkweise an, die auf kontinuierlicher Verbesserung basiert und darauf abzielt, jegliche Cargo-Kult-Mentalität zu negieren.
  2. Du bist auf einen vermeintlich erstrebenswerten Zug aufgesprungen und tust nun genau das Gleiche wie dein Nachbar oder Kollege? Hinterfrage die Praxis, die du nachahmst, und schau dir die zugrunde liegenden Prinzipien an. Denn egal ob es sich um den Führungsstil, die Unternehmenskultur oder die Denkweise handelt, es sind genau diese Dinge, die beleuchtet werden müssen, bevor tatsächlich eine Veränderung in Gang gesetzt werden kann.
  3. Anstatt im nächsten Online-Meeting einfach nur zu nicken, weil es so üblich ist, oder du dich reflexartig über die Meinung deines Gegenübers empörst, versuche oberflächliche Diskussionen genau wie das Schwanken in Extreme zu vermeiden. Frag dich stattdessen: Was ist ein gutes Mittelmaß? Wie kommen wir tatsächlich weiter?
  4. Recherchiere gründlich und sei faktenorientiert. Und dann: Denke nach. Versuche die Dinge im Kern zu verstehen und leite daraus dein Handeln ab.

Welchen Tipp hast du, um tatsächlich etwas zu schaffen, das Wert hat? Melde dich bei CoachMeNetto an und schreib uns.

Augen auf, Gehirn an: Echter Wandel verlangt nach deiner Reflexion

Für eine gesunde Weiterentwicklung – für unsere Branche, im privaten Umfeld und global – brauchen wir Zeit zum Nachdenken. Was wir nicht brauchen, sind Cargo-Kulte, die gute Beobachtungen enthalten, aber nicht zu einer konsequenten Umsetzung führen, weil der Kern der Sache nicht verstanden wurde. Die Entlarvung von Cargo-Kulten ist ein wichtiger erster Schritt zu einem tiefgreifenden Wandel, der sich gewaschen hat. Welchem Cargo-Kult sagst du Lebewohl?

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